Philosophie
Ein Wort zur Kunst

Wer die Geschlechtertürme San Gimignanos oder die Türme der Rathäuser von Florenz und Siena kennt, erinnert sich beim Anblick des Chemnitzer Uhrturms von Schubert & Salzer unweigerlich an Italien und dessen beeindruckende Architektur. Schubert & Salzer ist im Rahmen der großen Industrie nur ein kleines Unternehmen, und dennoch zählt seine ehemalige Maschinenfabrik in Chemnitz zu den industriellen Kulturdenkmälern. Die damaligen Direktoren von Schubert & Salzer legten Wert auf Gestaltung. Der berühmte Fotograf Albert Renger-Patzsch fertigte in den Jahren von 1955 bis 1966 etwa 1500 Industriefotos von Schubert & Salzer an, die sich heute zum Großteil im Museum Ludwig in Köln befinden. Als Schubert & Salzer Mitte der 90er-Jahre neue Gebäude in Ingolstadt und Bad Lobenstein bezog, bemühte sich die Geschäftsleitung, modernes, ästhetisch ansprechendes Industriedesign zu erhalten. Bei der Innengestaltung der neuen Gebäude in Bad Lobenstein wirkten junge thüringische Künstler mit. In Ingolstadt wurden die Räume mit Arbeiten zeitgenössischer Künstler wie Horst Antes, Piero Dorazio, Rupprecht Geiger und Georg Karl Pfahler ausgestattet. Kunst- und Arbeitswelt müssen einander nicht ausschließen. Auch industriell geprägtes Umfeld kann bei entsprechendem Wollen ästhetisch gestaltet sein.